Kastration


Der Grundsatz des Tierschutzgesetzes dient dem Schutz des Lebens und des Wohlbefindens der Tiere. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen,Leiden oder Schäden zufügen. Der ethische Bezug erstreckt sich im Tierschutzgesetz grundsätzlich auf alle Tiere. Leider kommt es jedoch auf Grund fehlender Definitionen einzelner Forderungen in diesem Gesetz, immer wieder zu anscheinend gewollten Auslegungsstreitigkeiten.

Nach der geltenden Fassung des Tierschutzgesetzes aus dem Jahre 1998 ist das vollständige oder auch teilweise Amputieren von Körperteilen,oder das vollständige oder teilweise Entnehmen und Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres nach § 6 Abs. 1 verboten. Das Verbot gilt jedoch nicht wenn ein Eingriff im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation geboten ist. Die Kastration von Hunden ist erlaubt wenn dies notwendig ist,um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. Wer jedoch allen Ernstes behauptet,das eine unkontrollierte Fortpflanzung nur durch Kastration zu verhindern sei,der muss sich die Frage stellen,wie viel er denn eigentlich von Hundehaltung und Hundeverhalten versteht. Eine generelle Kastration von Hunden ist damit aber auch nicht erlaubt.

Beim Thema Kastration gehen die Meinungen weit auseinander, es hat jedoch den Anschein, das eine Kastration in Deutschland zur Grundausstattung eines Hundes gehört,wenn man ihn später nicht zur Zucht einsetzen möchte. Neben körperlichen Erkrankungen bei denen eine Kastration angeraten ist,gibt es die verschiedensten Gründe sich mit dem Thema Kastration auseinander zu setzen. Eine Kastration ersetzt bekannter Weise,nicht die richtige Sozialisation,notwendige Erziehung und artgerechte Haltung ihres Hundes. Auch eine gewünschte verminderte Agressivität kann nur bei sexuell bedingter Aggressivität ihres Hundes durch Kastration beeinflusst werden,nicht aber bei Aggressivität die durch Beutefang,-Revier oder Dominanzverhalten ausgelöst wird. Auf Grund der Bequemlichkeit und falscher Erwartungen vieler Hundebesitzer sowie den geschäftlichen Interessen vieler Tierärzte,ist entgegen dem Grundsatz des Tierschutzgesetzes eine medizinische Indikation aber schnell gefunden.

Eine sehr große Anzahl von Hundehaltern vertreten die Auffassung,Sie müssten ihre Hündin bereits im Wachstumsalter kastrieren lassen,um bösartige Tumore im Gesäuge oder an der Gebärmutter zu verhindern. Der Gedanke an eine Krebsverhinderung erscheint lobenswert,ist jedoch in den meissten Fällen leider nur ein Vorwand für die Besitzer der Hunde,die für Sie nicht akzeptablen Läufigkeitserscheinungen (z.B. blutiger Ausfluss) zu unterdrücken und berechtigt auch nicht zu einem derartigen Eingriff.

Inwieweit Fortpflanzungshormone für eine Tumorentstehung verantwortlich sind ist umstritten und nach derzeitigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist davon auszugehen,das nicht nur Geschlechtshormone für eine Tumorbildung zu sehen sind. . . .

Es sollte Ihnen als verantwortungsvoller Hundebesitzer nach der Abwägung aller Vor- und Nachteile eigentlich bewusst sein,das eine Entscheidung für eine Kastration,ein schwerer und folgenschwerer Eingriff in Körper und Leben ihres Vierbeiners ist. Daher ist die Entscheidung für eine Kastration als Einzelfallentscheidung zu betrachten und pauschal vorgenommene Kastrationen sind aus tierschutzrechtlichen wie aus verhaltensbiologischen Gründen abzulehnen.

Eine Kastration bedeutet die Entfernung der Geschlechtsorgane,bei der dem Rüden die Hoden und bei der Hündin die Eierstöcke und gegebenenfalls die Gebärmutter bei einer Operation unter Vollnarkose durch den Tierarzt entfernt werden.

Nicht zu verwechseln mit der Sterilisation die eine Unfähigmachung der Fortpflanzung bedeutet und über die Durchtrennung des Samenleiters beim Rüden bzw. des Eileiters und zum Teil auch der Gebärmutter der Hündin durch einen Tierarzt unter Vollnarkose vorgenommen wird. . . . . .


Quellennachweis und Literaturempfehlungen:

Kastration und Verhalten beim Hund von PD Dr. Udo Gansloßer
Kastration aus verhaltensbiologischer Sicht

Kastration beim Hund von Dr. Gabriele Niepel
Chancen und Risiken - eine Entscheidungshilfe


   
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